Es reicht! Für alle! Armutsbekämpfung in Zeiten der Krise

Datum: 06.07.2010 | Autor: Elke | Kategorien: Rezensionen | Tags: , Armutsbekämpfung, Krise | Keine Kommentare »

Es reicht! Für alle! – der Titel des Buches von >Martin Schenk und  >Michaela Moser ist Programm und es ist ausgesprochen erfrischend, einmal nicht das ewige Lied der klammen Kassen und unausweichlichen Sparpläne zu hören. Schenk,  Sozialexperte der Diakonie  und Mitglied der >österreichischen Armutskonferenz und  Moser, Vizepräsidentin des >European Anti Poverty-Networks, widmen sich der Armutsbekämpfung – gerade in Zeiten der Krise.
Eingangs nehmen die Autoren den „Mythos vom Mangel“ auseinander: Die irrationale Angst, „es reiche nicht“, die die Sozialstaatsdebatten prägt, eine Angstlogik der zufolge immer zuerst „überflüssige“ Sozialleistungen gestrichen werden müssen. Anders sieht es aus, nimmt man den vorhandenen Reichtum , die vorhandenen Ressourcen und ihre Verteilung in den Blick. Armut, so der Ansatz der Autoren,  kann nicht isoliert betrachtet werden, will man sie bekämpfen. Ansetzen muss man hingegen bei den gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen und ihren Möglichkeiten.
Armut selbst hat viele Seiten. Was immer so schwierig erscheint, wird hier gewissermaßen zum Gewinn, bietet doch gerade die Vielschichtigkeit des Problems auch viele Interventionsmöglichkeiten. Von der amerikanischen Philosophin >Martha Nussbaum übernehmen Schenk und Moser den Gedanken, dass wichtiger als das, was Menschen haben, dasjenige sei, was sie tun und sein können. Damit einher geht die Frage nach Anerkennung, Respekt und Deutungsmacht. Eine Armutsbekämpfung, die die Betroffenen nicht als Experten einbezieht, sei  deshalb zum Scheitern verurteilt: Erstens können die Armen am besten definieren, was sie brauchen, um ihre Verwirklichungschancen wahrnehmen zu können, und zweitens verbleibt ohne ihre Einbeziehung die Deutungsmacht über Armut bei denjenigen, die nicht von ihr betroffen sind. Solchermaßen werden falsche Bilder über Armut perpetuiert.

Die  Autoren zeigen in einem breiten Durchgang – Lohn, Steuern, Gesundheit, Pflege etc. – wie Armut durch eine sinnvolle staatliche Steuerungspolitik abgebaut und vermieden werden kann. Ihre Argumente belegen sie mit wissenschaftlichen Studien, für alle Bereiche werden Best Practices-Beispiele genannt. Das beste Argument für die Abschaffung der Armut – oder zumindest für mehr Verteilungsgerechtigkeit  – könnte darin liegen, dass Gesellschaften, die starke Ungleichheiten abbauen,  glücklicher und  gesünder sind.

Das schöne Fazit: Es reicht nur für alle – alle haben auch was davon!

Martin Schenk, Michaela Moser
Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut
240 Seiten. 19.90 € (D) / 34.50 sFR (CH) / 20.50 € (A)
ISBN 978-3-552-06114-9
Deuticke


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