Le dernier cri

Datum: 12.04.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 3 Kommentare »

Wieder Unerwartetes zum Thema Obdachlosigkeit: Ein chinesischer Obdachloser wird zum Modestar – und verschwindet spurlos, berichtet > Die Zeit. Die Geschichte von Chen Guorong beginnt mit einem Amateurphoto, das im Netz landet, er wird entdeckt und  beginnt eine Karriere als Model. Genannt wird er nun Brother Sharp, er präsentiert eine Modelinie. Chuang Weiguo, Chef der Shanghai Brother Sharp Fashion Company, erläutet dem Reporter: “Brother Sharp, sagt Chuang,habe sich noch nicht daran gewöhnt, im Bett zu schlafen. (Angesichts dieses Photos: Warum auch?) Nachts gehe er hinaus und schlafe im Busch. Seine Marke, sagt Chuang, soll den Geist von Brother Sharp verbreiten. »Wir von der arbeitenden Bevölkerung haben so viele Grenzen und Sorgen. Man kauft sich ein Haus und muss es abbezahlen, man hat Frau und Kinder und muss sich drum kümmern.« Brother Sharp hingegen sei frei wie ein Vogel, er habe kein Geld, »aber vielleicht ist er sehr glücklich«”.

Tja, kann man glauben oder auch nicht, den Mann  selber kann man jedenfalls im Moment nicht fragen, da, wie gesagt, abgetaucht.

Da ich am Samstag an einer  Podiumsdiskussion  der Leipziger  >> Galerie KUB zum Thema  “Der Obdachlose als Role Model?” teilnehmen werde, frage ich mich langsam, ob es sich hier  um ein globales Phänomen handelt? Wird Obdachlosigkeit  weltweit schick? Das Pfeifen aus dem letzten Loch als dernier cri?

3 Comments on “Le dernier cri”

  1. 1 Smilla kommentierte 14:25 on April 14th, 2011:

    …hab ja neulich irgendwo gelesen der Trend sei schon wieder passé…

    ich hab mal ne kleine linksammlung zusammengestellt
    Okt 2009:
    Vogue.com: “Arm zu sein ist nicht schick, so auszusehen aber schon”
    Darin geht es unter anderem auch um Patrick Mohr, dessen Models bei der Berliner fashionweek 2009 Obdachlose waren:

    SpOn: Patrick Mohr Patron der Heimatlosen

    hier ein Interview mit ihm in der SZ dazu:

    Patrick Mohr Ausgeflippter Lumpensammler

    und ich muss sagen, dass ich, bei aller Skepsis diesem “Hype” gegenüber, Patrick Mohr dabei für ‘glaubwürdig’ halte, und mir sein Ansatz ganz sympathisch ist.

    dann noch: ein Vogue Spezial, eine Arbeit von Dominik Schumacher, bereits im Wintersemester 02/03 an der UdK Berlin in Zusammenarbeit mit dem Obdachlosentheater Ratten o7 entstanden:

    Vogue Spezial

    Die Journalistin Hedley Freeman deutet Erscheinungen und Trends wie den Obdachlosenchic als “grab for attention” und schlußfolgert, dass es letztlich immer nur ums Verkaufen geht. Hedley Freeman “Not only teasteless, it’s unoriginal

    Die von mir verehrte Vivienne Westwood kommt in der Sunday Times dann selbst zu Wort. Dort erklärt sie ein wenig, was sie sich, unter anderem, so gedacht hat bei ihrer Mens-Wear Kollektion 2010:

    “I’m saying to people as well, buy less clothes. Only buy things when you really need them and really like them. Wear them and wear them.”

    Sunday Times, Vivienne Westwood unveils homeless chic at Milan Fashion Week

  2. 2 Elke kommentierte 17:57 on April 15th, 2011:

    Liebe Smilla,

    vielen Dank für diese Linksammlung. Hatte das mit der Mode gar nicht im Blick – spricht ja auch wieder Bände….

    Werde mal alles systamtisieren – und dann was schreiben!

    Herzlich: Elke

  3. 3 Gespenst der Armut » Blog Archive » Le Dernier Cri kommentierte 11:21 on September 25th, 2012:

    [...] Oder ist diese Zeichenwelt nicht eigentlich von gestern? Im April 2011 berichtete ich einem Post (Le Dernier Cri) vom chinesischen Obdachlosen Chen Guorong, der zum Modelstar wurde. Damals fragte ich mich, ob das [...]


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