Bettelverbot

Datum: 06.03.2011 | Autor: Elke | Kategorien: Texte | 2 Kommentare »

Am 4. März fand das 1. Linzer Massenbetteln statt, zu dem die >Bettel Lobby Oberösterreich aufgerufen hatte (>Nachrichten Oberösterreich). Es richtete sich gegen das Bettelverbot, das am 10. März im oberösterreichischen Landtag beschlossen werden soll. Bettelverbote gibt es bereits in Wien und anderen österreichischen Städten.

Der Bettler ist die Figur, in der Armut am sichtbarsten, sinnfälligsten wird. Zugleich markiert  er eine Bedürftigkeit, die  ihn  – analog zum König oder Hirten – zur “anthropologischen Symbolfigur” macht (Walter Maas: Die Gestalt des Bettlers in deutschen Dichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Freiburg i. Br., 1971).

Die Versuche, Bettelei zu verbieten, weisen über das direkte soziale Signal, von Armut nicht belästigt und behelligt werden zu wollen, immer auch auf die Leugnung von Abhängigkeit und Bedürftigkeit hin, die zur menschlichen Grundausstattung gehört. Der Bettler erinnert immer auch daran, dass es Zeiten in der menschlichen Existenz gibt – Kindheit, Krankheit, Alter – in denen das eigene Leben in einem basalen Sinne von anderen abhängig ist. Bettelverbote verbieten nicht nur den Bettlern, sich irgendwie durchzuschlagen, sondern sie verbieten allen etwas: Sie untersagen auch den anderen, sich solidarisch verhalten zu können und sie sind ein Symbolverbot, das an das autonome, starke Selbst appelliert, das sein eigenes Geschrei um Zuwendung in den ersten Lebensjahren leugnet.

Photo: Bernd Regtmeier

2 Comments on “Bettelverbot”

  1. 1 Lesetipp « LaThreepwood kommentierte 20:08 on March 16th, 2011:

    [...] Ein Artikel über Bettelverbote und warum sowas verboten gehört [...]

  2. 2 Elke kommentierte 21:23 on March 16th, 2011:

    Vielen Dank für die freundliche Empfehlung! Herzliche Grüße: Elke


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